Herzschwäche (Herzinsuffizienz) – Wenn das Herz nicht mehr ausreichend pumpt

Was ist eine Herzinsuffizienz?

Unser Herz arbeitet jeden Tag rund um die Uhr. Es pumpt Blut durch den Körper und versorgt alle Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen. Bei einer Herzinsuffizienz, auch Herzschwäche genannt, ist diese Pumpfunktion eingeschränkt. Das Herz kann den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut versorgen.

Eine Herzschwäche bedeutet nicht, dass das Herz plötzlich aufhört zu schlagen. Vielmehr handelt es sich meist um eine chronische Erkrankung, die sich über Monate oder Jahre entwickelt. Dank moderner Behandlungsmöglichkeiten können viele Betroffene heute jedoch ein aktives Leben führen.

Wie entsteht eine Herzschwäche?

Eine Herzschwäche entwickelt sich meist als Folge anderer Herz- oder Gefäßerkrankungen. Wird das Herz über längere Zeit belastet oder geschädigt, verliert der Herzmuskel nach und nach an Kraft oder wird steif. Dadurch kann er sich schlechter zusammenziehen oder nicht mehr ausreichend mit Blut füllen.

Ursachen sind unter anderen:

  • Erkrankungen der Herzkranzgefäße (Koronare Herzkrankheit)
  • Bluthochdruck
  • Herzinfarkt
  • Erkrankungen der Herzklappen
  • Entzündungen des Herzmuskels
  • Angeborene Herzfehler
  • Herzrhythmusstörungen
  • Schädigungen des Herzmuskels durch hohen Alkoholkonsum, Drogen wie Kokain, Chemotherapeutika und anderes
  • Seltene genetische oder stoffwechselbedingte Erkrankungen

Manchmal spielen mehrere Ursachen gleichzeitig eine Rolle.

Welche Formen der Herzschwäche gibt es?

Ärztinnen und Ärzte unterscheiden verschiedene Formen der Herzschwäche.

Linksherzinsuffizienz
Die linke Herzkammer pumpt das Blut nicht mehr ausreichend in den Körper. Dadurch staut sich Blut in die Lunge zurück. Atemnot ist häufig das erste Anzeichen.

Rechtsherzinsuffizienz
Die rechte Herzkammer transportiert das Blut nicht mehr ausreichend zur Lunge. Dadurch staut sich Flüssigkeit im Körper. Typisch sind geschwollene Beine oder Knöchel.

Globale Herzinsuffizienz
Sind beide Herzhälften betroffen, spricht man von einer globalen Herzinsuffizienz.

Außerdem unterscheidet man:

  • Herzinsuffizienz mit verminderter Pumpkraft: Das Herz zieht sich nicht mehr kräftig genug zusammen.
  • Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpkraft: Die Pumpkraft ist weitgehend erhalten, der Herzmuskel ist jedoch versteift und kann sich nicht ausreichend mit Blut füllen.

Diese Unterscheidung ist wichtig, da sich die Behandlung teilweise unterscheidet.

Welche Beschwerden treten auf?

Zu Beginn verursacht eine Herzschwäche oft nur geringe Beschwerden. Viele Betroffene bemerken zunächst eine verminderte Belastbarkeit.

Typische Symptome sind:

  • Atemnot
  • schnelle Erschöpfung, Müdigkeit und Leistungsminderung
  • geschwollene Füße, Knöchel oder Beine
  • rasche Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen
  • Herzklopfen oder Herzrasen
  • häufiger nächtlicher Harndrang

Im weiteren Verlauf können bereits alltägliche Tätigkeiten wie Treppensteigen oder kurze Spaziergänge schwerfallen.

Wer hat ein erhöhtes Risiko und wie kann man vorbeugen?

Das Risiko für eine Herzschwäche steigt mit zunehmendem Alter. Auch bestimmte Erkrankungen und Lebensgewohnheiten erhöhen die Wahrscheinlichkeit.

Das Risiko kann jedoch deutlich gesenkt werden. Wichtige Maßnahmen sind:

Wie wird eine Herzschwäche festgestellt?

Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch über Beschwerden und Vorerkrankungen sowie einer körperlichen Untersuchung.

Je nach Situation kommen weitere Untersuchungen hinzu:

  • Blutuntersuchungen, unter anderem auf Herzmarker (BNP oder NT-proBNP)
  • Elektrokardiogramm (EKG)
  • Ultraschall des Herzens (Echokardiographie)
  • Röntgenaufnahme des Brustkorbs
  • Belastungsuntersuchungen
  • Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens
  • Herzkatheteruntersuchung, wenn der Verdacht auf verengte Herzkranzgefäße besteht

Wie wird eine Herzschwäche behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität sowie die Lebenserwartung zu verbessern.

Medikamente bilden einen wichtigen Bestandteil der Behandlung einer Herzschwäche. Je nach Ursache und Form der Erkrankung kommen unterschiedliche Wirkstoffe zum Einsatz. Sie können das Herz entlasten, die Pumpleistung unterstützen, schädliche Belastungsreaktionen des Körpers abschwächen, überschüssige Flüssigkeit ausscheiden und so Beschwerden lindern. Viele dieser Medikamente können außerdem das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und das Risiko für Krankenhausaufenthalte sowie schwerwiegende Komplikationen senken. Welche Medikamente geeignet sind, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt individuell.

Behandlung der Ursache: Wenn möglich, wird auch die zugrunde liegende Erkrankung behandelt. Dazu gehört beispielsweise eine gute Einstellung eines Bluthochdrucks, die Behandlung einer koronaren Herzkrankheit, die Reparatur oder der Ersatz erkrankter Herzklappen und Behandlung von Herzrhythmusstörungen.

Medizinische Geräte: Manche Patientinnen und Patienten profitieren von speziellen Herzschrittmachern oder implantierbaren Defibrillatoren (ICD). In schweren Fällen können Herzunterstützungssysteme oder eine Herztransplantation notwendig werden.

Forschung des VIVIT zur Herzschwäche

  • Biomarker: Das VIVIT hat verschiedene Marker im Blut untersucht und welche gefunden, die das Sterberisiko von Personen mit Herzschwäche vorhersagen [1–3]. Dies kann helfen das Risiko besser einzuschätzen. Mit dieser Information können Ärztinnen und Ärzte die betroffenen Personen früher und intensiver behandeln, vor Komplikationen schützen und deren Lebenszeit möglicherweise verlängern.
  • Herzschwäche und Diabetes: Das VIVIT beschäftigt sich außerdem mit dem Zusammenspiel von Herzschwäche mit Typ-2-Diabetes (Zuckerkrankheit) und zeigte, dass beide Erkrankungen bei Frauen und Männern unabhängig voneinander mit einer erhöhten Eiweißausscheidung im Urin (Albuminurie) zusammenhängen – einem frühen Warnzeichen für Nieren- und Gefäßschäden. Dieses Wissen hilft Menschen mit hohem Risiko früher zu erkennen und ihre Behandlung besser anzupassen [4].
  • Medikation: Das VIVIT hat sich auch eingehend mit der Medikation von Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche beschäftigt. Ein Fokus war unter anderem die Behandlung von Fettstoffwechselstörungen („hohem Cholesterin“) und die Medikation wenn neben der Herzschwäche zusätzlich eine Krebserkrankung vorliegt [5–7].
  • Handlungsempfehlungen: Das VIVIT hat außerdem an verschiedenen Handlungsempfehlungen die Herzschwäche betreffend mitgearbeitet. Diese sind wichtig, da sie für Ärztinnen und Ärzte alle Forschungserkenntnisse zusammenfassen und daraus ableiten, wie Patientinnen und Patienten behandelt werden sollen oder was getan werden kann, um Herzschwäche zu verhindern [8–11].

Quellen und weiterführende Links

[1]        Brandtner EM, Leiherer A, Larcher B, Geiger K, Heinzle C, Schnetzer L, Saely CH, Drexel H, Muendlein A. Angiopoietin‐like protein 2 and mortality in patients with heart failure—Results from an observational study. Eur J Clin Invest 2026;56. https://doi.org/10.1111/eci.70143.

[2]        Muendlein A, Heinzle C, Leiherer A, Brandtner EM, Geiger K, Gaenger S, Fraunberger P, Mader A, Saely CH, Drexel H. Circulating glypican-4 is a new predictor of all-cause mortality in patients with heart failure. Clin Biochem 2023;121–122:110675. https://doi.org/10.1016/j.clinbiochem.2023.110675.

[3]        Schwegel N, Höller V, Santner V, Zach DK, Lugitsch J, Muendlein A, Brandtner EM, Leiherer A, Drexel H, Mader A, Borenich A, Pilz S, Grübler M, Wallner M, Ablasser K, Kolesnik E, Zirlik A, von Lewinski D, Verheyen N. Prognostic value of circulating glypican-4 in chronic heart failure. J Mol Med 2026;104:62. https://doi.org/10.1007/s00109-026-02667-9.

[4]        Saely CH, Maechler M, Vonbank A, Sprenger L, Mader A, Larcher B, Zanolin-Purin D, Leiherer A, Muendlein A, Drexel H. Single and joint impact of type 2 diabetes and of congestive heart failure on albuminuria: Data from subgroup analysis and data on moderate albuminuria. Data Brief 2022;40:107817. https://doi.org/10.1016/j.dib.2022.107817.

[5]        Drexel H, Frick M, Zirlik A, Niessner A, Huber K, Tamargo J, Dobrev D, Mader A, Agewall S. Management of dyslipidaemia in patients with comorbidities—facing the challenge: heart failure. Eur Heart J Cardiovasc Pharmacother 2026. https://doi.org/10.1093/ehjcvp/pvag033.

[6]        Niessner A, Drexel H. PCSK9 inhibition in patients with heart failure: neutral or harmful intervention? Eur Heart J 2022;43:1566–8. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehab913.

[7]        Sayour N V, Paál ÁM, Ameri P, Meijers WC, Minotti G, Andreadou I, Lombardo A, Camilli M, Drexel H, Grove EL, Dan GA, Ivanescu A, Semb AG, Savarese G, Dobrev D, Crea F, Kaski J-C, de Boer RA, Ferdinandy P, Varga Z V. Heart failure pharmacotherapy and cancer: pathways and pre-clinical/clinical evidence. Eur Heart J 2024;45:1224–40. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae105.

[8]        Luedde M, Agewall S, Ambrosio G, Bayes-Genis A, Borghi C, Cerbai E, Dan GA, Drexel H, Ferdinandy P, Grove EL, Kaski JC, Klingenberg R, Morais J, Parker W, Petrie MC, Rocca B, Semb AG, Senni M, Sohns C, Sulzgruber P, Tamargo J, Metra M, Böhm M, Dobrev D, Sossalla S. European Journal of Heart Failure Consensus Statement. Heart Failure Pharmacotherapy for Patients with Heart Failure with Reduced Ejection Fraction and Concomitant Atrial Fibrillation: Review of Evidence and Call to Action. Eur J Heart Fail 2025;27:2198–210. https://doi.org/10.1002/ejhf.70069.

[9]        El Hadidi S, Rosano G, Tamargo J, Agewall S, Drexel H, Kaski JC, Niessner A, Lewis BS, Coats AJS, Savarese G. Potentially inappropriate prescriptions in heart failure with reduced ejection fraction: ESC position statement on heart failure with reduced ejection fraction-specific inappropriate prescribing. Eur Heart J Cardiovasc Pharmacother 2022;8:187–210. https://doi.org/10.1093/ehjcvp/pvaa108.

[10]      Seferovic PM, Ponikowski P, Anker SD, Bauersachs J, Chioncel O, Cleland JGF, de Boer RA, Drexel H, Ben Gal T, Hill L, Jaarsma T, Jankowska EA, Anker MS, Lainscak M, Lewis BS, McDonagh T, Metra M, Milicic D, Mullens W, Piepoli MF, Rosano G, Ruschitzka F, Volterrani M, Voors AA, Filippatos G, Coats AJS. Clinical Practice Update on Heart Failure 2019: Pharmacotherapy, Procedures, Devices and Patient Management. An Expert Consensus Meeting Report of the Heart Failure Association of the European Society of Cardiology. Eur J Heart Fail 2019;21:1169–86. https://doi.org/10.1002/ejhf.1531.

[11]       Piepoli MF, Adamo M, Barison A, Bestetti RB, Biegus J, Böhm M, Butler J, Carapetis J, Ceconi C, Chioncel O, Coats A, Crespo‐Leiro MG, de Simone G, Drexel H, Emdin M, Farmakis D, Halle M, Heymans S, Jaarsma T, Jankowska E, Lainscak M, Lam CSP, Løchen M, Lopatin Y, Maggioni A, Matrone B, Metra M, Noonan K, Pina I, Prescott E, Rosano G, Seferovic PM, Sliwa K, Stewart S, Uijl A, Vaartjes I, Vermeulen R, Monique Verschuren WM, Volterrani M, von Haehling S, Hoes A. Preventing heart failure: a position paper of the Heart Failure Association in collaboration with the European Association of Preventive Cardiology. Eur J Heart Fail 2022;24:143–68. https://doi.org/10.1002/ejhf.2351.

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