Übergewicht und Adipositas: Was bedeutet das für meine Gesundheit?
Was ist Übergewicht und Adipositas?
Übergewicht und Adipositas (ehem. Fettleibigkeit) sind häufige gesundheitliche Zustände, bei denen sich zu viel Körperfett angesammelt hat. Zur Einordnung wird meist der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) verwendet. Ein BMI über 25 gilt als Übergewicht, ab 30 spricht man von Adipositas. Wichtig ist jedoch: Der BMI ist nur ein grober Richtwert und berücksichtigt nicht die individuelle Körperzusammensetzung (z.B. Muskelmasse). Übergewicht und Adipositas nehmen auf der ganzen Welt stark zu, auch in Österreich.
Wie entsteht Übergewicht und Adipositas?
Die Entstehung ist meist vielschichtig. Grundsätzlich kommt es zu einer Gewichtszunahme, wenn über längere Zeit mehr Energie aufgenommen als verbraucht wird. Dabei spielen mehrere Faktoren zusammen:
- Ernährung: Häufiger Konsum von energiereichen, stark verarbeiteten Lebensmitteln
- Bewegungsmangel: Sitzender Lebensstil im Alltag und Beruf
- Genetische Veranlagung: Manche Menschen nehmen leichter zu als andere
- Hormonelle und medizinische Faktoren: z. B. bestimmte Erkrankungen oder Medikamente
- Psychosoziale Einflüsse: Stress, Schlafmangel oder emotionale Belastungen
Adipositas ist eine komplexe, chronische Erkrankung, die eine langfristige Betreuung erfordert.
Welche gesundheitlichen Folgen kann Adipositas haben?
Adipositas verkürzt die Lebenserwartung und erhöht das Risiko für zahlreiche Erkrankungen, darunter:
- Typ-2-Diabetes (Zuckerkrankheit)
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck, Herzinfarkt)
- Fettstoffwechselstörungen
- Gelenkbeschwerden (z. B. Arthrose)
- Schlafapnoe
- Bestimmte Krebsarten
Auch die Lebensqualität und psychische Gesundheit können erheblich beeinträchtigt sein.
Wie kann man vorbeugen?
Bereits kleine, aber dafür langfristig umsetzbare Veränderungen können einen großen Unterschied machen.
Wann sollte man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen?
Nicht jede Gewichtszunahme erfordert sofort eine medizinische Abklärung. Es gibt jedoch Situationen, in denen eine fachliche Unterstützung sinnvoll ist:
- BMI im Bereich Adipositas (ab 30)
- Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder Gelenkbeschwerden
- Starkes Essverlangen, Kontrollverlust beim Essen oder emotionales Essen
- Verdacht auf hormonelle oder andere medizinische Ursachen
- Psychische Belastung durch das Gewicht oder Essverhalten
Eine frühzeitige Abklärung kann helfen, gesundheitliche Risiken zu reduzieren und passende Behandlungsmöglichkeiten zu finden.
Wichtig ist: Adipositas ist eine behandelbare, chronische Erkrankung – und es ist sinnvoll, sich Unterstützung zu holen. Sprechen Sie zuerst mit Ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt. Weitere Infos zu ärztlicher, diätologischer, bewegungstherapeutischer oder psychotherapeutischer Betreuung finden Sie hier: Adipositas-Netzwerk Österreich – Plattform für Adipositas-SpezialistInnen – ärztliche Betreuung, Adipositas-Beratung, Adipositas-Therapie
Wie wird Adipositas behandelt?
Lebensstiländerung:
Ernährungstherapie, Bewegung und Verhaltensänderungen bilden die Basis jeder Behandlung.
Medikamentöse Therapie – ein aktuelles Thema:
In den letzten Jahren wurden neue Medikamente zur Gewichtsreduktion entwickelt, die gezielt in den Körperstoffwechsel eingreifen. Dazu gehören insbesondere Wirkstoffe, die Darmhormone nachahmen (z. B. GLP-1- oder kombinierte GLP-1/GIP-Agonisten wie Semaglutid, Tirzepatid oder Liraglutid). Diese Medikamente sind gegenwärtig in den Medien sehr präsent.
Ihr Wirkprinzip beruht vor allem auf der Reduktion des Hungergefühls, der Verzögerung der Magenentleerung sowie einer gesteigerten Insulinfreisetzung, was in Studien zu teilweise deutlichen Gewichtsabnahmen führte. Gerade weil diese hochwirksamen Medikamente aktuell sehr häufig eingesetzt werden und teilweise fälschlicherweise als „Lifestyle-Produkte“ verstanden werden, möchten wir hier ausdrücklich darauf hinweisen:
Diese Medikamente sollten ausschließlich durch erfahrene Ärztinnen und Ärzte verordnet werden und keinesfalls in Eigenregie beschafft oder eingenommen werden. Sie ersetzen keine Lebensstiländerung, sondern unterstützen diese und müssen in der Regel langfristig eingenommen werden.
Chirurgische Therapie (bariatrische Operationen):
Bei schwerer Adipositas und wenn andere Maßnahmen nicht ausreichend wirken, können operative Verfahren (z. B. Magenverkleinerung) in Betracht gezogen werden. Diese erfordern eine sorgfältige medizinische Abklärung und langfristige Betreuung.
Forschung des VIVIT zu Übergewicht und Adipositas
- Das VIVIT koordiniert eine große, österreichweite Studie, in der umfassende Daten zu Menschen mit Übergewicht und Adipositas gesammelt werden. Diese sollen künftig wertvolle Erkenntnisse liefern – etwa zur langfristigen Entwicklung der Erkrankung und zu individuellen Risikofaktoren. Im Rahmen dieser Initiative wird auch die ORCA-Studie durchgeführt. Ziel ist es, mit Hilfe von künstlicher Intelligenz verschiedene Subgruppen von Betroffenen zu identifizieren. Dies könnte dazu beitragen, Betroffene personalisierter zu behandeln. Dieses Projekt hat 2026 eine Förderung des Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) erhalten (Projektdetail – FWF).
- Da der BMI die gesundheitliche Situation nur eingeschränkt widerspiegelt, forscht das VIVIT zu Alternativen Messmethoden. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Fettverteilung, die für das Gesundheitsrisiko eine wichtige Rolle spielt1.
- Um Übergewicht und Adipositas besser zu verstehen, führt das VIVIT Zellkulturstudien mit Fettzellen (Adipozyten) durch2, 3, 4, 5, 6. Dabei wird untersucht, wie Faktoren wie Sauerstoffmangel, Entzündungen oder verschiedene Botenstoffe das Fettgewebe beeinflussen.
- Das VIVIT hat auch gute Nachrichten für alle, die lieber die Bahn nehmen, um in die Berge zu kommen: In der am Dornbirner Hausberg durchgeführten Karren-Studie konnte gezeigt werden, dass sich auch das Hinuntergehen positiv auf das Gewicht und andere Gesundheitsmarker auswirkt7.
- Des Weiteren untersucht das VIVIT verschiedene Stoffe, die vom Fettgewebe produziert und ins Blut abgegeben werden (Adipokine), um herauszufinden, ob diese das Risiko für Herz-Kreislaufereignisse (z.B. Herzinfarkte) vorhersagen können8, 9, 10, 11, 12, 13.
- Außerdem untersucht das VIVIT Zusammenhänge zwischen erhöhtem BMI bzw. Übergewicht und Nierenerkrankungen, um mögliche Risiken frühzeitig erkennen zu können14, 15.
Quellen und weiterführende Links
Link zur österreichischen Adipositas Gesellschaft: ÖAG – Österreichische Adipositas Gesellschaft
- Hoefle G, Saely CH, Aczel S, Benzer W, Marte T, Langer P, et al. Impact of total and central obesity on vascular mortality in patients undergoing coronary angiography. Int J Obes 2005;29:785–791.
- Geiger K, Muendlein A, Leiherer A, Gaenger S, Brandtner EM, Wabitsch M, et al. Myricetin attenuates hypoxia-induced inflammation in human adipocytes. Mol Biol Rep 2023;50:9833–9843.
- Mochalski P, Diem E, Unterkofler K, Mündlein A, Drexel H, Mayhew CA, et al. In vitro profiling of volatile organic compounds released by Simpson-Golabi-Behmel syndrome adipocytes. Journal of Chromatography B 2019;1104:256–261.
- Leiherer A, Stoemmer K, Muendlein A, Saely C, Kinz E, Brandtner E, et al. Quercetin Impacts Expression of Metabolism- and Obesity-Associated Genes in SGBS Adipocytes. Nutrients 2016;8:282.
- Geiger K, Leiherer A, Muendlein A, Stark N, Geller-Rhomberg S, Saely CH, et al. Identification of Hypoxia-Induced Genes in Human SGBS Adipocytes by Microarray Analysis. PLoS One 2011;6:e26465.
- Geiger K, Muendlein A, Stark N, Saely CH, Wabitsch M, Fraunberger P, et al. Hypoxia Induces Apelin Expression in Human Adipocytes. Hormone and Metabolic Research 2011;43:380–385.
- Drexel H, Mader A, Saely CH, Tautermann G, Dopheide JF, Vonbank A. Downhill hiking improves low-grade inflammation, triglycerides, body weight and glucose tolerance. Sci Rep 2021;11:14503.
- Muendlein A, Leiherer A, Saely C, Ebner J, Geiger K, Brandtner EM, et al. The novel adipokine CTRP1 is significantly associated with the incidence of major adverse cardiovascular events. Atherosclerosis 2019;286:1–6.
- Saely CH, Leiherer A, Muendlein A, Vonbank A, Rein P, Geiger K, et al. High plasma omentin predicts cardiovascular events independently from the presence and extent of angiographically determined atherosclerosis. Atherosclerosis 2016;244:38–43.
- Leiherer A, Muendlein A, Kinz E, Vonbank A, Rein P, Fraunberger P, et al. High plasma chemerin is associated with renal dysfunction and predictive for cardiovascular events — Insights from phenotype and genotype characterization. Vascul Pharmacol 2016;77:60–68.
- Hoefle G, Saely CH, Risch L, Koch L, Schmid F, Rein P, et al. Relationship between the adipose-tissue hormone resistin and coronary artery disease. Clinica Chimica Acta 2007;386:1–6.
- Hoefle G, Saely CH, Risch L, Rein P, Koch L, Schmid F, et al. Leptin, leptin soluble receptor and coronary atherosclerosis. Eur J Clin Invest 2007;37:629–636.
- Saely CH, Risch L, Hoefle G, Rein P, Muendlein A, Marte T, et al. Low serum adiponectin is independently associated with both the metabolic syndrome and angiographically determined coronary atherosclerosis. Clinica Chimica Acta 2007;383:97–102.
- Nagel G, Zitt E, Peter R, Pompella A, Concin H, Lhotta K. Body mass index and metabolic factors predict glomerular filtration rate and albuminuria over 20 years in a high-risk population. BMC Nephrol 2013;14:177.
- Fritz J, Brozek W, Concin H, Nagel G, Kerschbaum J, Lhotta K, et al. The Association of Excess Body Weight with Risk of ESKD Is Mediated Through Insulin Resistance, Hypertension, and Hyperuricemia. Journal of the American Society of Nephrology 2022;33:1377–1389.

